Unsere Vereins-Chronik – ein schönes Stück Geschichte

Chronik der Jahre 1928 – 1945

Wie alles begann.

Zu Beginn gab es die Tennisvereinigung Dinslaken der Bandeisenwalzwerke AG, wie die Firma bis zum Kriegsbeginn offiziell hieß. Im Kasinogarten dieser Firma gab es einen Tennisplatz, der gebaut worden war, damit die „höheren“ Töchter dem damals noch so vornehmen weißen Sport frönen konnten.

1927 spielten dort auch schon Werksangehörige, wie Heinz Selbach, Theo Mersmann, Oskar Wasserfuhr, Erich Hamann, Fritz Schonefeld und Wilhelm Boweland. Sie und die sogenannten „höheren“ Töchter, z. B. Fr. Schollin (geb. Schäfer), Fr. Klump(geb. Stein), Fr. Kremer (geb. Selbach), Fr. Holdt (geb. Loos), Fr. Boogen (geb. Meckler) Fr. Hansen und Fr. Spengler zeigten so reges Interesse, daß bereits 1927 ein zweiter Platz gebaut wurde. Auch Werksdirektor Dr. Julius Kalle zeigte viel Verständnis, als das Interesse von außen immer stärker wurde.

Somit kam es dann 1928 zur Gründung eines Tennisclubs, der den Namen TC Rot-Weiß Dinslaken erhielt. Zu den ersten Mitgliedern zählten u. a.: Max Satori, Herbert Kremer, Dr. Julius Voßbeck, Herr und Frau Dr. Dahmann, Hein Eickhoff, Fritz Kremer, Fritz Schäfer und Frau, Fritz Finis und Frau, Theo Mersmann, Erich Hamann, Heinz Selbach, Oskar Wasserfuhr, Frau Klump.
Zum ersten Vorsitzenden wählte man Dr. Winterhoff, der große Unterstützung durch den Prokuristen Otto Selbach erhielt, zum Geschäftsführer Theo Mersmann, zum Kassierer Erich Hamann.
Zum weiteren Vorstand gehörten Heinz Selbach, Erich Spengler, Willi Hansen, Fritz Schäfer und Helmut Schollin.

Die beiden Plätze waren ständig besetzt, jedes Clubmitglied bezahlte 2 RM Beitrag pro Monat. Trainer Schäferdieck erhielt vom Werk ein Grundgehalt und verdiente pro Trainerstunde weitere 2 RM. Mit den Monatsbeiträgen wurden Bälle finanziert, Turniere gestaltet, Sommer- und Winterfeste arrangiert. Dies konnte nur geschehen, weil die gesamte Unterhaltung und Pflege des Platzes durch Gärtnerkolonnen des Werkes übernommen wurde. Der Spielbetrieb nahm weiter zu und man zählte bald 40-50 Mitglieder. Nun waren es überwiegend „Fremde“, die in diesem, wie ein Werkssportverein geführten Club spielten. Das Casino war gleichzeitig auch Clublokal. Aufgrund des großen Andranges wurde bald ein neuer Tennisplatz fällig.

So wurde an die Werksdirektion geschrieben mit der Bitte um Genehmigung und Bau des dritten Platzes. Als Standort war jener Platz vorgesehen, der mit nicht mehr benötigten aber doch noch recht standfesten Stallungen versehen war. Hier fand man eine, wenn auch vielleicht nicht ganz legale Lösung, von der, da sie längst verjährt ist, berichtet werden kann. Da ein Sturm angesagt worden war, sägte man in einer Nacht- und Nebelaktion kurzerhand die Stallungen an. Der Sturm brachte dann das Dach auch zum endgültigen Einsturz.

So konnte Herr Ullrich, der zuständige Gärtner, dann auch dem Direktor melden, die Stallungen seien eingestürzt, ein Wiederaufbau lohne sich nicht und ein dritter Platz könne gebaut werden. Man schrieb nun das Jahr 1932 und zählte c. 60 – 80 Mitglieder. Jeden Sonntag fanden Turniere statt, selbst aus Düsseldorf, Dortmund, Schalke und Essen holte man sich Gegner, und gegen Bottrop allein spielte man 27 mal. Steinhäger und Bier flossen ab 9.30 Uhr, nachmittags gab es ein gemütliches Kaffeetrinken mit gestiftetem Kuchen und abends fanden Siegesfeiern mit Tanz im Casino statt, bei denen sich, so wurde berichtet, Wilhelm Boveland mit den“Schönen“ des Clubs regelmäßig verlobte. Außerdem kam es in den Jahren 1932/33 zu zahlreichen Eheschließungen.

Natürlich spielte man nicht ohne Balljunge. Ein „berühmter“ Balljunge ist Franz Pieper, der 1936 schon Bälle aufsammelte und dann 1937 dem Club als Spieler beitrat. Balljungen verdienten immerhin ca. 20 RM pro Monat. Franz Pieper kassierte auch Clubbeiträge, indem er mit dem Fahrrad zu den aktiven Spielerinnen und Spielern nach Hause fuhr, um dort den Monatsbeitrag einzufordern. Dafür spielte er dann, man höre und staune, beitragsfrei. Im Übrigen musste sich jeder, der dem Club beitreten wollte, persönlich bei Theo Mersmann, dem Geschäftsführer, vorstellen, der dann über Beitritt oder Nichtbeitritt entschied.

Winterfeste waren überaus beliebt, viele Leute wollten Eintrittskarten haben. Damals wurde auch noch jedes Clubmitglied per gedruckter Eintrittskare eingeladen. Anlässlich dieser Feste, die sehr familiär und gemütlich waren, verpflichteten die damaligen Maîtres de Pläsir, Erich Hamann und Theo Mersmann, z. B. Kräfte des Duisburger Stadttheaters, u. a. den Operettenstar Käthe Gruß. Während solcher Feste wurden auch die Clubsieger geehrt und erhielten ihre Preise, wie Medaillen, Römer oder Likörservices. Ansonsten spielte man werktags um einen halben Liter Bier. Im Winter hielt man sich mit Tischtennis fit. Zu der Herrenturniermannschaft zählten Hansen, Kremer, Boveland, Selbach, Hamann, Wasserfuhr, Mersmann, Spengler. Zur Damenmannschaft zählten Schollin (Schäfer), Hansen, Boogen (Meckler), Kremer (Selbach), Klump (Stein), Eickhoff.

Ab 1928 war Frau Schollin jahrelang Clubmeisterin und Frau Klump die „ewige zweite“. Dafür war Frau Klump aber die erste Dame im Vorstand.
Nachdem Dr. Winterhoff lange Jahre die Geschicke des jungen Vereins geleitet hatte, wurde er 1939 von Dr. Cramer abgelöst. Doch in den folgenden Jahren kam der Spielbetrieb allmählich gänzlich zum Erliegen, denn auch hier forderte der Krieg seinen Tribut. Am 23.03.45 verwüstete eine Luftmine das Taunusgelände samt Platzanlagen und Casino. Nach Kriegsende dienten die traurigen Überreste alliierten Panzern als Parkplatz.

 

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