Unsere Vereins-Chronik – ein schönes Stück Geschichte

Chronik der Jahre 1945 – 1968

Am 29.06.1947 trafen sich einige Tennisfreunde des Tennisvereins Rot-Weiß im Dinslakener Bahnhofshotel und beschlossen, den Verein wieder aufleben zu lassen. Zu den acht Tennisfreunden zählten Ewald Bies, Friedrich-Wilhelm Giesen, Erich Hamann, Herbert Kremer, Wolfgang Müller, Heinz Selbach, Hans Peter Vossbeck und Heinz Wolf. Zunächst beschloss man, allen bekannten Mitgliedern ein Rundschreiben zuzusenden, mit der Bitte, sich am 01.08.1947 zu einer Generalversammlung im Bahnhofshotel einzufinden. 33 Mitglieder folgten der Einladung und man wählte Nikolaus Boström zum 1. Nachkriegsvorsitzenden. Heinz Schulze-Feren wurde stellvertretender Vorsitzender, Herbert Kremer und Ewald Bies Sportwarte. Man legte neue Clubbeiträge fest. (Aktive 3 RM, Jugendliche 2 RM; Aufnahmegebühr 30 bzw. 20 RM) Dies musste u. a. geschehen, da das gesamte Vereinsvermögen von ca. 700 RM während des letzten Kriegsjahres „abhanden“ gekommen war. Da man aber damals selten ohne Balljungen spielte, so wurde auch dafür die Entschädigung festgesetzt. 0,50 RM erhielt damals ein Balljunge pro Spielstunde, wobei ausdrücklich untersagt wurde, mehr zu zahlen.

Inzwischen waren 1946 zwei Plätze auf Veranlassung des Stadtkommandanten und einiger Offiziere der Militärregierung einigermaßen wiederhergestellt worden, außerdem waren noch zwei alte aber noch brauchbare Netze vorhanden. Capt. Ost, der englische Demomtageleiter des Bandeisenwalzwerkes hatte auch mit veranlaßt, daß der frühere kleine Clubraum zu einem Umkleideraum mit Waschgelegenheit ausgebaut werden konnte.

Nun hätte man eigentlich spielen können, aber es fehlte an Schlägern und Bällen. Doch Not macht erfinderisch und ein reger Tauschhandel begann. Eine Spezialgroßhandlung in Tennisartikeln und Bekleidung lieferte sechs Tennisschläger im Tausch gegen eine Küche. Eine bedeutende nicht näher genannte Lederwarenfabrik benötigte 250 qm verzinktes Eisenblech für Dachrinnen und bot dafür 1 a Wettspielbälle. Weitere zwanzig komplette Tennisschläger sollten gegen 1000 kg Eisennägel bestimmter Größe, Muster lagen bei, getauscht werden. Dem Vermittler versprach man eine Provision in Form weiterer zwei Schläger. Gegen 250 qm reines Zinkblech wollte man zwölf Wettspielbälle, zwei Aktentaschen und eine Stadttasche zur Verfügung stellen. Andere Firmen boten Tennisschläger gegen Drahtstifte. 22 Hanfkordeln wurden beschafft, um daraus ein neues Netz fertigen zu lassen. Das Gurtband fehlte zwar und ließ sich auch vorerst nicht beschaffen, deshalb sollte es auch erst später durch einen hiesigen Handwerker angebracht werden. Welche dieser Tauschaktionen erfolgreich verliefen, ist oft nicht vermerkt, doch zeigt es viel der Initiative der damaligen Mitglieder.

Im Oktober 1947 zählte man schon 62 aktive und 22 jugendliche Mitglieder und meldete sich beim Tennisverband an. Der offizielle Spielbetrieb konnte wegen Ballmangels noch nicht aufgenommen werden, doch versprach der Landgerichtspräsident, nach Zahlungseingang der Kopfsteuer von 124 RM, für die Ballzuteilung zu sorgen.

Gab es auch noch Schwierigkeiten Tennis zu spielen, feiern konnte man auch damals schon im Tennisclub gut. Bereits im September 1947 fand der erste Unterhaltungs- und Tanzabend im Bahnhofshotel statt. Landrat und Bürgermeister wurden ebenso wie die Presse eingeladen. Die Einladung an Capt. Ost und Mr. Burton von der Militärregierung wurden selbstverständlich in englischer Sprache abgefaßt, die schriftliche Absage des Mr. Ost erfolgte in excelentem Deutsch. Übrigens erklärte sich Herr Kremer bereit, fünf Zentner Koks zur Beheizung des Saales anläßlich der nächsten Feier im Januar 1948 zu stiften. Außerdem traf man sich während der Wintermonate regelmäßig im Bahnhofshotel zum Tischtennis und Kartenspiel.

1948 konnte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden, Freundschaftsturniere fanden wieder statt. Sogar ein Trainer stand an zwei Wochentagen gegen 6 RM pro Stunde acht Stunden pro Tag zur Verfügung

1949 wurde zu Spenden aufgerufen, da man ein neues Clubhaus bauen wollte. Im übrigen ergingen während der folgenden Jahre viele Aufrufe an die Mitglieder, sich zum Arbeitseinsatz zu melden, Spaten und Arbeitsanzug waren selbstverständlich mitzubrigen. War vorher von vorbildlicher Initiative der Mitglieder die Rede, so sollte an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, daß solche Arbeitseinsätze nicht bei allen beliebt waren. Hatte man weder gearbeitet noch pro zu leistender Arbeitsstunden gezahlt, drohte eine Spielsperre bis zum 1. August.

Am Clubhausbau zeigten sich jedoch viele interessiert, und der Bau wurde sehr schnell fertiggestellt. Schon am 06.08.1949 wurde das Clubhaus an der Thyssenstraße im Rahmen eines kleinen Sommerfestes eingeweiht. Fast ein Jahr später, am 14.07.1950 erhielt man auch die Baugenehmigung dazu.

Wahrscheinlich mußte man so schnell bauen, denn ab 01.01.1950 ging das ehemalige Tennisgelände an einen neuen Besitzer, die Fa. Eisen- und Stahlwerke Rötzel GmbH über, die nun ihrerseits eine Pacht forderte.

Der Spielbetrieb wurde nun sehr rege. Zahlreich waren auch die Siege, die z. T. mühevoll errungen wurden.

Stellvertretend soll genannt werden, daß Rot-Weiß 1953 Gruppensieger in der Medenrunde wurde. Die Doppelpaarungen überstanden die gesamten Spiele der Medenrunde ohne einen einzigen Punktverlust, was deutlich die beachtliche Spielstärke anzeigt. (Folgende Spieler sorgten damals für den Sieg: Pieper, Klinkner, Deckert, Berendes, Sartory, Kremer)

Klaus Klinkner errang 1952 den Titel des Club- und Kreismeisters und verteidigte ihn erfolgreich 10 Jahre bis 1962.

1957 gelang der Damenmannschaft als Kreissieger der Aufstieg in die Verbandsklasse, der Etuf Essen, Rochus Club Düsseldorf und Raffelberg Duisburg angehörten.

1959 und 1960 fielen alle Titel der Kreismeisterschaften an Rot-Weiß.

1962 und 1963 wurde die ersten Herrenmannschaft Gruppensieger in der A-Klasse der Medenspiele. 1964 gelang der 1. Herrenmannschaft der Aufstieg in die Verbandsklasse.

Die stete Aufwärtsentwicklung brachte aber auch Sorgen. Die vorhandenen drei Plätze reichten bei weitem nicht mehr aus. 1966 mußte die Anlage dann auch gänzlich aufgegeben und geräumt werden, da das Gelände anderweitig benötigt wurde.

Die Stadt Dinslaken stellte unser heutiges Gelände westlich der B 8 am Rotbach zur Verfügung, das gute Ausdehnungsmöglichkeiten bot.

 

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